Auf geht’s!

Nach langer Wartezeit dürfen wir nun wieder an den Start gehen. Vorerst zumindest.

Weitere Termine und Themen folgen.

Die Rundgänge werden nach den aktuellen Hygieneregeln stattfinden – das bedeutet, wir bitten um einen Covid-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist. Ansonsten werden die Abstände eingehalten und an Orten mit Maskenpflicht diese natürlich getragen.

Für die Sommer-Saison 2021 haben wir mehrere neue öffentliche Touren entwickelt.

Unsere Ansprüche für dieses Jahr: Mehr laufen, weniger fahren. Mehr Rundgänge, weniger Bustouren. Mehr draußen als drinnen.

So liegt bei den Touren aus hygienischen Gründen, aufgrund unseres Engagements für Nachhaltigkeit und der guten Erfahrung mit den Babylon Berlin-Touren der Schwerpunkt auf Erkundungen zu Fuß. Wie gewohnt mit Filmen und Bildern garniert, diesmal auf den iPads. Die Stadt anders entdecken kann man mit unseren neuen Touren.

So gibt es unsere Krimitour „Berlin – Hauptstadt des Verbrechens” jetzt auch zu Fuß. Den Zwanziger Jahren bleiben wir treu mit dem neuen Rundgang „Kinos, Kokain und Kaffeehäuser. Der Westen in den 20er Jahren”, der uns in die schilldernde “Szene” der Weimarer Republik Jahre entführt, rund um KaDeWe, Gedächtniskirche, Ku’damm. Josephine Baker, Marlene Dietrich und auch Gereon Rath werden uns auf den iPads begegnen. „Berlin unter dem Hakenkreuz” widmet sich dem Aufstieg des Nationalsozialismus in den 30er Jahren. Dazu gibt es natürlich noch unseren Klassiker: die Babylon Berlin-Tour.

Buchbar sind diese Touren für Einzelgäste wie für Gruppen. Zudem werden wir erstmal auch Fahrradtouren anbieten: zum Buchrelease des Buches „Fassadengeflüster. Gebäude der Weimarer Republik in Berlin” bietet Arne Krasting Autorentouren an.

Wir haben unsere Pandemie-Zwangspause gut genutzt und haben für unsere Gäste zwei Angebote, die unser Wissen und unsere Leidenschaft vermitteln.

Zunächst ist das das Buch „Fassadengeflüster: BERLINER BAUTEN DER WEIMARER REPUBLIK”, das Zeitreisen-Geschäftsführer Arne Krasting geschrieben hat.

Nach zwei Monaten war es ausverkauft, aber seit Mitte April 2021 ist die zweite, erweiterte Auflage lieferbar. Unser „rasender Reporter” Arne Krasting hat die 75 faszinierendsten Gebäude der Zeit aufgesucht – darunter Ikonen der Moderne wie das Shellhaus und den Funkturm, aber auch in Vergessenheit geratene Kleinode avantgardistischer Architektur. Das „Fassadengeflüster” beschreibt sie mit Fotografien von Arne und anekdotischen Texten. Dabei entsteht ein Zeitschichten-Porträt wie aus Puzzleteilen. Ein immer wiederkehrender Bezugspunkt ist die Fernsehserie Babylon Berlin, der auch ein längeres Interview mit Uli Hanisch gewidmet ist. Das Vorwort ist von Joseph Hoppe (Berliner Zentrum für Industriekultur), dazu gibt es ausgewählte Radtouren von Christian Tänzler (visitBerlin). Bestellbar für 20,00 € plus Porto hier bei uns!

Der im September 2020 gestartete Podcast „Goldstaub” geht auch dieses Jahr weiter. Die Gründerin der Boheme Sauvage, Else Edelstahl, und Arne Krasting nehmen euch mit auf eine Zeitreise in die schillernde Zeit der Weimarer Republik. Spannende Themen erwarten die Hörer: Literatur, Film, Politik, Wirtschaft und vor allem das Alltagsleben knüpfen Else und Arne sich vor. Der Podcast soll Interesse wecken und Lust machen auf eine Beschäftigung mit dieser faszinierenden Epoche. Die ersten Folgen widmen sich dem legendären Nachtleben in Berlin, der Körperhygiene und der Badekultur, der Spanischen Grippe sowie dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm. In einer Sonder-Episode wird die ARD-Serie „Babylon Berlin” in Gesprächen mit den Regisseuren ausführlich vorgestellt. Geplant sind Folgen zu Verkehr, Schule und Bildung, Musik, Tanz und vielem mehr.

Gereon Rath blitzt ab. Unter Verschluss sind die Akten, die er einsehen will. Geheime Staatssache, Befehl von ganz oben. Regierungsrat Wendt hat sich anscheinend eingeschaltet und die Akten über den Mordfall Benda eingesackt. Aber Rath muss an die Akten kommen und schickt seinen geschätzten Kollegen Reinhold Gräf, den Fotografen, vor. Der geht im Archiv mehr oder weniger ein und aus. Aber trotz der Genehmigung zur Akteneinsicht, die Gräf vorweisen kann, ist der bärbeißige Archivar nicht unbedingt konzilianter...

Archivar: Was wolln se denn da, in der 5?

Reinhold Gräf: Bitte?

Archivar: Na, dat sind doch die geheimen Staatssachen in der 5, wat machen se denn da?

Reinhold Gräf: Das werde ich Ihnen ja wohl nicht auf die Nase binden, denn, wie der Name schon sagt, handelt sich ja um geheime Staatssachen. Oder wollen Sie mich aushorchen? Denn das müsste ich melden und zwar unverzüglich…

Archivar: Mein ja nur…

Und dann wird es dramatisch…Denn der Archivar spioniert tatsächlich Gräf hinterher und es kommt zu einem überraschenden Geständnis. Nachzusehen in der Folge 4 von Staffel 3.

Mich hat der Drehort fasziniert. Grundsätzlich sind ja fast alle Drehorte fantastische Entdeckungen. Aber dieser Handlungsort hat es mir besonders angetan: das Polizeiarchiv der Berliner Polizei. Natürlich war nicht damit zu rechnen, dass es das wirkliche Archiv der Polizei ist und auch die Polizeihistorische Sammlung im Gebäude des Polizeipräsidiums schied aus. Nun, erkannt haben weder ich noch meine Kollegen den Drehort. Also musste dann doch die Produktion weiterhelfen. Antwort: es ist das Museum für Naturkunde! Dieses fantastische, nicht nur bei Kindern beliebte Museum hatte die Ehre, „mitzuspielen“ in der Serie.

Natürlich will ich den Ort sehen – was sich aber als nicht so einfach herausstellt, da er für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Aber ich brauche einen Einblick – einmal, um meine Neugier zu befriedigen. Aber auch, da ich beauftragt bin, einen Artikel über die Drehorte für die Publikation zur Staffel 3 zu schreiben.

Nach ein paar Mails schließlich gibt es einen Termin. Mit Kamera geht es zum Museum…dann aber nicht über den Haupteingang, nicht am riesigen Brontosaurus vorbei, sondern zum Hintereingang. Die erste Überraschung: der Weg führt  nicht in den Keller, wo ein Archiv normalerweise zu vermuten ist, sondern in den ersten Stock. Die Verantwortliche für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit öffnet die schweren Türen. 1889 wurde das Museum eröffnet und ich fühle mich tatsächlich  auch wie auf einer Zeitreisen-Expedition. Nach der letzten Tür fängt es an, etwas strenger zu riechen. Grüne Metallschränke strecken sich die langem Gänge entlang. Willkommen in der Säugetiersammlung! Genauer: in der Sammlung für Tierfelle. Daher der etwas besondere Geruch. Wie wohl die Schauspieler den erlebt haben? Lateinische Namen stehen auf den Schränken. Equus Quagga zum Beispiel. Na klar, das Steppenzebra. Schön ausgebreitet auf einem Tisch liegen dann einige Dutzende Mäuse. Hier wird natürlich weiter gearbeitet und geforscht. Aber ab und zu kommt auch mal ein Filmteam vorbei. Denn in dem Räumen der Sammlung sieht es wirklich noch aus wie vor hundert Jahren. Viel muss man gar nicht verändern, damit sich Gereon und Reinhold  authentisch bewegen können. Wahrscheinlich einer der leichteren Aufgaben für das Team um Uli Hanisch. Aber sicherlich eine spannende!

Zunächst wird der Durchgang in die weiteren Räume als Büro bzw. Empfang umfunktioniert. Hier sitzt der schnauzbärtige und entschieden nicht freundliche Herr der Akten. Auf seinem Tisch: Schreibmaschine, Locher, Lampe, Telefon, Tintenfass…vor allem Lampe und Schreibmaschine würden auch meinen Schreibtisch gut schmücken. Eine Ofenattrappe kommt dazu. Lustiges Detail: Das Schild „Ausgang“ ist ausgetauscht worden, das neue Schild weist in die entgegen gesetzte Richtung – obwohl es von der Typo gut gepasst hätte. Aber es wäre unlogisch gewesen, da es für die Szene den falschen Weg gewiesen hätte. Und auf den Glastüren ist in der Szene auch noch zu lesen, spiegelverkehrt: Zentrales Archiv.

Wir gehen dann in einen der Gänge – dahin, wo Gräf die Verschlussakten nicht nur findet, sondern auch fotografiert. Und hier waren dann auch noch einige Veränderungen nötig. Ein alter Schrank fehlte zum Beispiel, da steht heute ein zeitlich unpassender Holzschrank. Das Art Department hat aber ganze Arbeit geleistet. Und die tannengrüne Farbe der Nachbarschränke wurde so perfekt imitiert, dass die Mitarbeiter des Museums gar nicht mehr erkannt haben, wo woher der Holzschrank war!

Ich sinke kurz auf die Knie, als kleine Hommage an die wunderbar gespielte Szene, in der der Archivar den ebenfalls knieenden Reinhold Gräf an seine dunkle Vergangenheit erinnert. Aber nun wieder an die frische Luft. Diesen Drehort werde ich bei meinen Touren leider nicht zeigen dürfen – aber die Fotos geben hoffentlich einen guten Eindruck.

 

Unser Geschenk zum Jahresende:

„Fassadengeflüster: BERLINER BAUTEN DER WEIMARER REPUBLIK - ZEITREISEN MIT ARNE KRASTING“. Dieses Jahr konnten wir nur wenigen Besuchern die Stadt und ihre besonderen Schätze vor. Umso mehr freuen wir uns, euch jetzt Geschichten und Bilder zu präsentieren aus dem Berlin zur Zeit der 1920er Jahre, der Zeit von Babylon Berlin. Unser „rasender Reporter“ Arne Krasting hat die Zeit der Pandemie genutzt, und die 75 faszinierendsten Gebäude der Zeit aufgesucht – darunter Ikonen der Moderne wie das Shellhaus und den Funkturm, aber auch in Vergessenheit geratene Kleinode avantgardistischer Architektur. Das „Fassadengeflüster“ beschreibt sie mit Fotografien von Arne und anekdotischen Texten. Dabei gibt es neue und unerwartete Eindrücke aus einer ganz persönlichen Perspektive, wobei ein Zeitschichten-Porträt wie aus Puzzleteilen entsteht. Ein immer wiederkehrender Bezugspunkt ist die Fernsehserie Babylon Berlin: es sind nicht nur viele Drehorte der Serie dabei, sondern auch ein längeres Interview mit Szenenbildner Uli Hanisch. Das Vorwort ist von Joseph Hoppe (Berliner Zentrum für Industriekultur), dazu gibt es ausgewählte Radtouren von Christian Tänzler (visitBerlin).

Anfang 2021 kommt es in die Buchläden, so lange könnt ihr es schon direkt bei uns Zeitreisen bestellen und direkt im Büro in der Rudi Dutschke Straße 26 abholen.

Am 16. September startet mit „Goldstaub“ der neue Podcast zu den Zwanziger Jahren.

Else Edelstahl und Arne Krasting nehmen die Hörer mit auf eine Zeitreise in die schillernde Zeit der Weimarer Republik.

Der Podcast behandelt die unterschiedlichen Facetten der Weimarer Republik: Literatur, Film, Politik, Wirtschaft, Alltagsleben. Der Podcast soll Interesse wecken und Lust machen auf eine Beschäftigung mit dieser faszinierenden Epoche. Die ersten Folgen widmen sich dem legendären Nachtleben in Berlin, der Körperhygiene und der Badekultur sowie dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm.

Initiatoren und Moderatoren des Podcast sind Else Edelstahl, die Gründerin der Veranstaltungsreihe „Boheme Sauvage“ und Arne Krasting, Historiker und Geschäftsführer der Agentur Zeitreisen. Beide eint seit Jahren die Leidenschaft für die Zwanziger Jahre.

Neben verschiedenen Rubriken wie dem „selten gewordenem Wort der Woche“ sowie dem „Veranstaltungstipp der Woche“ werden immer wieder Gäste eingeladen. In den ersten Episoden mit dabei sind z.B. die Schauspielerin Fritzi Haberlandt, der Regisseur Henk Handloegten, die Sängerin Anna Prohaska oder der Historiker Hanno Hochmuth.

In der dritten Episode wird die ARD-Serie „Babylon Berlin“ ausführlicher vorgestellt. Die drei Regisseure Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten sind dazu als Gäste geladen.

Die Episoden werden über die Plattformen Spotify, Apple Podcasts und Deezer veröffentlicht. Alle zwei Wochen wird eine neue Episode eingespielt.

 

Kontakt:

Else Edelstahl und Arne Krasting

https://www.gold-staub.de

post@gold-staub.de

Facebook: https://www.facebook.com/GoldstaubPodcast/

Instagram: https://www.instagram.com/goldstaub_podcast/

Ab dem 25. Mai sind touristische Veranstaltungen und Touren in Berlin wieder erlaubt. Die Auflage des Berliner Senats lautet: die Einhaltung von Mindestabständen und die Hygieneregeln sind zu beachten.

Wir starten in unsere "Saison" am Samstag den 30. Mai mit einer "Babylon Berlin Tour". Folgende Maßnahmen bzw. Entscheidungen hat Zeitreisen dafür getroffen:

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Ansonsten freuen wir uns auf Gäste, mit denen wir (Stil-)sicher auf Tour gehen können!

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Inzwischen sind auch ein paar weitere Bösewichte mit am Set, die aufpassen, dass nicht noch was passiert. Denen will man nicht nachts alleine auf der Straße begegnen. In Wirklichkeit natürlich sehr sympathische Herren, wahrscheinlich rührende Familienväter. Sie können aber nicht verhindern, daß auch Vera, der Ersatz für die ermordete Betty Winter, von dem unheimlichen Phantom bedroht wird. Charlotte will ihrer alten Freundin das Leben retten und folgt ihr auf die Beleuchterstege in schwindelerregende Höhe. Sogar die Hauptdarstellerin. Also halb, denn jetzt ist auch eine Stunt-Charlotte mit von der Partie. Unser Einsatz: als wir die Hilferufe von oben hören, rennen wir unter den Beleuchtersteg. Charlotte kämpft mit dem Phantom. Charlotte fällt. In mehreren Etappen. Und in der letzten müssen wir anpacken. Denn wir sind das „Feuerwehrtuch“.

Der Armenier hat Unterstützung bekommen. Ein paar dunkle Gestalten sind am Set aufgetaucht.

Der Armenier hat Unterstützung bekommen. Ein paar dunkle Gestalten sind am Set aufgetaucht.

Etwa zehn Komparsen stehen bereit, Charlotte zu retten. Sie fällt….und…. Aber nein, erstmal zurück. Das muss natürlich ordentlich geprobt werden. Zunächst mit der Stuntfrau. Von einer Leiter lässt sie sich rückwärts runterfallen. Und das erste Mal geht gleich fast daneben. Kurze mahnende Ansprache an die Komparsen, die bei ihrem Fall vor Schrecken ein Schritt zurückgetreten sind. Jetzt müssen die Tänzer nach vorne, denn die wissen, wie man einen Menschen fängt. Nicht die Hände nach oben strecken, da bricht man sich höchstens das Handgelenk. Sondern von sich gestreckt nach vorne. Jetzt läuft es. Das Double geht Stufe um Stufe nach oben, bis sie fast ganz oben auf der Leiter angekommen ist. Wir sind bereit für Charlotte, guter Dinge. Jeder bemüht sich um den passenden Spruch. Jetzt endlich können wir sagen, „wir haben eine tragende Rolle“. Und wie cool ist Liv Lisa Fries.

Ein Urvertrauen in unsere Fähigkeiten. Zurecht natürlich, denn was für eine Ehre ist es, die Hauptdarstellerin zu retten. Gibt es hier eigentlich eine Stuntzulage, wird kurz diskutiert. Für diese Mission hätte ich auch drauf gezahlt. Auch Liv Lisa Fries verliert in dieser auch für sie sicherlich nicht ganz alltäglichen Szene nicht den Humor, reagiert auf unsere Sprüche. Als sie dann mit gespreizten Beinen von uns waagerecht in der Luft gehalten wird und die Kamera von unten Film, kommentiert sie nur trocken: „ok, was ich an meinem Job liebe…“ Auch Charlotte steigt höher…und jetzt wird es ernst. Aber wir sind ja zehn starke Männer – und vor allem sind jetzt auch Czerwinski und Henning dabei. Mit denen kann es ja nicht schief gehen. Nur drei Takes, dann ist die Regie zufrieden. Geschafft. Großes Lob von Tom…ist ja schließlich unsere Hauptdarstellerin. Und wir sind stolze Lebensretter.

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Charlotte, vertrau uns! Wir retten Dich. ©x-filme Fréderic Batier

Der letzte Tag bricht an. Und für uns passiert…nichts. Der Tag zieht sich, aber wir kommen einfach nicht zum Einsatz. Innen in der Halle wird eine weitere Stuntszene mit Charlotte gedreht, kein Zutritt für Komparsen.

Der Tag und die Gesichter werden länger und länger. Immer häufiger Blick auf die Uhr. Ein Highlight natürlich, wenn das Extra-Catering uns etwas Neues zu essen bringt. Oder wir sogar vom Crew-Catering naschen können.

Jetzt ist es kurz vor Mitternacht. Wir diskutieren mit unserem Komparsenbetreuer, wie es weitergeht. Irgendwann fährt der letzte Zug nach Berlin und für einige von uns bedeutet das, das sie von Berlin ihren Anschluss nicht mehr bekommen. Dann geht es endlich zum Set. Aber nach einem kurzen Blick in die Monitore heißt es plötzlich „Feierabend!“. Wir werden für das letzte Bild doch nicht benötigt. Das war’s. War’s das wirklich? Kein Schampus, keine Party, nur schnell das Kostüm abgeben, die Anwesenheitszettel unterschreiben und dann zur Bahn. Die sieben Drehtage sind vorbei. Anstrengend und einmalig, trotz eines etwas unglamourösen Endes. Erstmal sacken lassen, aber ich weiß jetzt schon, dass ich davon noch lange zehren werde.

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Binge-Watching im Kino. Und eigentlich ist die Serie für die große Leinwand noch viel besser geeignet.

Abspann. Neun Monate später. Samstag vormittags vor dem Kino Delphi. Sie sind wieder da. Diesmal aber nicht als Charlotte und Gereon, sondern Liv Lisa und Volker. Und auch viele andere Schauspieler. Dazu die Crew – und die ganzen Beteiligten an der „Post“, der Postproduction. Man kennt sich. Es ist Team-Viewing. Erst kurz vorher sind die letzten Szenen abgesegnet worden und jetzt bereit, von der ganzen Babylon-Familie begutachtet zu werden. Es ist tatsächlich wie ein Familienausflug ins Kino. Die Stimmung ist knisternd, elektrisierend, euphorisch, hat doch bis auf das engste Team um Regisseure und Produzenten keiner das komplette Ergebnis gesehen.

Henk, Achim und Tom bedanken sich nochmal, aber kurz, sehr kurz. Denn jetzt gilt es, zwölf Folgen Serie zu schauen…Binge Watching im Kino, was für ein tolles Erlebnis. Nach ein paar Sekunden schon bricht Jubel aus: Gereon ist das erste Mal auf der Leinwand zu sehen. Wird er seinen Fall lösen können? Wird sein Bruder sich offenbaren? Was wird aus Charlotte und Gereon, kommen die beiden sich endlich näher. Werde ich mich wiederfinden? Das weiß ich immerhin schon nach 15 Minuten. Angestrengt schiebe ich meine Tonangel. Vielleicht eine Sekunde… Gegen Mitternacht werden wir auch Antworten auf die anderen Fragen bekommen haben.

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Am 19.12. 2019 dann die große Premiere im Zoo-Palast.

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Ein bißchen Stolz sei ihm erlaubt...Tom Tykwer im Vordergrund. Einige der Hauptdarsteller hinten.

Und danach heißt es: Feiern! Die Bar Tausend, Drehort auch von Staffel 3, ist reserviert für Babylon Berlin.

Für mich geht ein Abenteuer zu Ende – was für ein Glück, ein kleiner Teil dieser besonderen Familie gewesen zu sein.

Wenn man mich heute fragt, was einer der schönsten Momente meines Lebens war: die sieben Tage mit Babylon Berlin stehen ganz oben. Staffel 4 kann kommen!

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Die Augenringe sind jetzt übrigens echt. Da hat die Maske weniger Arbeit. Und dass ich mich schon gestern Abend rasiert habe, wird sofort bemerkt. Kommt nicht wieder vor. Jede Kleinigkeit fällt auf. Mal eben die Ärmel hochgekrempelt? Nach ein paar Minuten kommt jemand vom Kostüm. Guckt dich kritisch an. Und schon ist der Ärmel wieder unten. Die Haare, auf dem Weg zur Halle vom Winde verweht? Wo hast Du denn die fesche Locke auf einmal her? Schnell nochmal geglättet…Nichts entgeht den Kollegen von Maske und Kostüm. Notfalls hilft ein Blick in die Fotodatenbank.

Sind noch genügend Zigaretten in meiner Schachtel? Ich brauche Nachschub. Dafür ist das Zigaretten-Frollein zuständig, wie wir sie nennen. Sie dreht und verteilt die Zigaretten. Sowieso die Zigaretten: ich habe mich als Gelegenheitsraucher bereit erklärt, auch am Set einen der Raucher zu mimen. Was wird alles in Babylon Berlin weggeraucht! Ständig hat Gereon eine Fluppe im Mund. „Zu viel kann man wohl rauchen, doch raucht man nie genug“: so warb die Zigarettenmarke Massary in den Zwanziger Jahren. Damals explodierte der Pro-Kopf-Verbrauch von Zigaretten und auch die Kreativität bei der Vermarktung. Die Pfeife gehörte der gemütlichen Vergangenheit an. Die Zigarette passte zur Gegenwart. Tempo, Tempo, keine Zeit!  „Es geht ein Spruch von Mund zu Mund, der tut es allen Rauchern kund: Aus gutem Grund ist Juno rund“ – die Marke von Charlotte.

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Die Werbung für die Marke Juno aus der Firma Josetti. An die Berliner Firma erinnere noch die Josetti-Höfe in der Rungestraße in Mitte.

Gereon bevorzugt Overstolz. Na klar, die Marke kommt aus seiner Heimat, dem Haus Neuerburg in Köln.  Am letzten Drehtag bringe ich dann noch meine eigene Dose mit, gerade frisch über ebay eingeflogen: eine echte Overstolz-Dose! Die Herkunft weniger golden, eher braun: aus Wehrmachtsbeständen, steht auf der Beschreibung.

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Ersteigert bei Ebay. Overstolz, Gereons Marke und Zuban Dany - die gab es auch am Set und dann später bei mir zuhause.

Die Zigaretten schmecken so aber auch nicht besser. Was ich nicht berücksichtigt hatte: die erste Filterzigarette kommt erst 1934 auf den Markt. Bei den ganzen Wiederholungen würde ein Nikotinflash wohl bald bevorstehen. Daher steige ich schnell auf Kräuterzigaretten um. Schmeckt nicht, tut aber nicht weh. Übrigens: natürlich steht die Feuerwehr bereit, die ganze Zeit. Passt ganz gut zu dem historischen Schild an der Wand: „Rauchen und jeder Gebrauch von offenem Feuer ist polizeilich strengsten verboten“. Das Zelluloid könnte ja Feuer fangen, da hatte die UFA damals so richtig Angst.

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also, wer hat da mal wieder gequalmt...? In dieser Ecke sitzt Walter Weintraub alias Ronald Zehrfeld und schaut sich die Dreharbeiten an.

Drehpause: das bedeutet für viele Rückzug in die Aufenthaltsräume, vielleicht gibt es ja Nachschub vom Catering. Je länger der Dreh, desto mehr Süßes. Zucker hilft gegen Müdigkeit. Aber die Brötchen, von denen Charlotte eine Gurkenscheibe genommen hat, sehen auch verdammt lecker aus. Ich habe vorhin beim Schmieren zugesehen: Bio-Salami aus der Schorfheide, Körnerbrötchen (gab es damals schon Körnerbrötchen oder nur die gemeine Berliner Schrippe?). Aber die gehörten ja zu den Props, den Requisiten. Absolutes Tabu, da darf keiner ran. Aber irgendwann fehlt dann tatsächlich ein Brötchen. Keiner will es gewesen sein. War es vielleicht das Kerlchen? Oder doch der Beleuchter? Herr Rath, übernehmen Sie!

Ich darf mich ein bißchen umschauen und auch ein paar Fotos machen. Mal wieder Detailsuche:

Den Speiseplan hatte ich ja schon am ersten Tag studiert. Der Plan der U-Bahn ist hoffentlich auch aktuell, denn mit der U8 ist erst kurz vorher eine neue Linie eröffnet worden. Und die U5 wird erst nächstes Jahr, 1930, offiziell in Betrieb gehen.  Hinten, bei der Sitzecke mit den schweren, aber extrem gemütlichen Sofas, steht eine elegante Cognacflasche. Von der hat Walter Weintraub am Vortag probiert. Wahrscheinlich Apfelsaft. Ein paar Zigarettenkippen liegen in dem Aschenbecher, auch Teil der Requisite natürlich. Nebenan im Maskenraum steht eine Flasche Speick Köllnisch Wasser. Gab es das schon 1929? Das Unternehmen feierte da seinen ersten Geburtstag und war mit Seifen auf dem Markt. Naja, sieht auf jeden Fall alt aus. Und was muss das nur für eine Freude sein, die ganzen alten Zeitschriften und Plakate aufzutreiben und zu reproduzieren. Zum Lesen allerdings taugen sie kaum: nur der Einband ist auf alt gemacht. Innendrin liegt ein SPIEGEL.

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Das ist tatsächlich eine Drehort. Die Film-Maske. Was für eine Fundgrube. Toll, welche Details da ausgegraben werden. Erkennt ihr die Filmstars?

Was passierte ansonsten noch? Immer wieder wird das große Tor zur Halle aufgemacht. Gereon und Charlotte kommen rein. Es ist schon Abend, aber die Szene soll tagsüber spielen. Daher sind draußen große Scheinwerfer aufgebaut, die bei dem Öffnen des Tors gleißendes Licht in die Halle fallen lassen. Ach Film, die große Illusionsmaschine, die Traumfabrik! Und später geht es für uns raus auf den Gang. Frieren ist angesagt. Charlotte will den Armenier befragen, aber er will nicht. Wir schauen zu. Das ist unsere Hauptbeschäftigung in den letzten Tagen. Aber dann, Tag sechs: kurz vor Ende unserer Dreharbeiten wird es nochmal richtig spannend. Wir sollten ein Menschenleben retten. Nicht irgendeines. Es geht um die Hauptdarstellerin!

 

 

Sie sind alle da. Gereon und Charlotte, die Polizeikollegen Czerwinski und Henning der Fotograf Reinhold Gräf - das sind die Guten. Dazu noch die Künstler, Vera, Tristan und Esther. Dann kommt die Unterwelt, präsent mit dem Armenier und seinem Partner Walter Weintraub. Alle am Set präsent. Es hätte wirklich schlimmer kommen können für uns. Schwergewichte und Newcomer des deutschen Films…die Klatschpresse hätte ihre wahre Freude. Vor allem heute: Es ist Familientag! Der Schauspiel- und Regienachwuchs steht in den Startlöchern, naja, ein paar Jahre noch. Auch die Kollegen schauen vorbei.

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Achim von Borries, Setfoto aus Staffel 2, @x-filme, Fréderic Batier

 

Achim von Borries, der zweite im Bunde des Regisseur-Trios, hat schon im Dezember seine letzten Drehtage hinter sich gebracht und guckt, was sein Partner so macht. Und wenn Achim kommt, wird es heiter. Nirgendwo wird so viel gelacht wie bei Achim, hat Volker Bruch mal gesagt. Sogar bei ernsten Szenen lacht man sich schlapp. Nikko Weidemann, verantwortlich für die so eingängige wie überraschende Musik für die ersten Staffel, ist auch da. Bei der dritten Staffel wirkt er nicht mit, aber sein Moka Efti Orchestra tourt ja auch von einer ausverkauften Show zur nächsten. Wird unser neuer Ohrwurm, der Film-Musical-Hit, mit „Zu Asche zu Staub“ mithalten können?

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Nikko Weidemann und seine Kollegen Mario Kamien und Sebastian Borkowski. Und Sängerin Severija natürlich. © Joachim Gern/Another Dimension/dpa

 

Die große Babylon Berlin-Familie, das ist hier tatsächlich keine leere Phase. Weil hier wirklich Familie eine Rolle spielt. Mir kommt ein Interview mit Tom Tykwer in den Sinn, in dem er über die Bedeutung von Familie und Privatleben spricht. Er fragte sich, wie es möglich ist, daß die Amerikaner in kürzester Zeit eine riesige Serie nach der anderen raushauen. Machen wir hier etwas falsch, fragt er sich, weil es in Deutschland doch etwas langsamer geht. Und ruft dann Serienmacher in den USA an: „Wie macht ihr das, ohne kurz vorm Tod zu stehen?“ – und die völlig frustrierende Antwort war: „Wir stehen alle kurz vorm Tod!

Kurz vor dem Tod stehen wir jetzt auch. Wenn wir denn dem Armenier widersprechen. Wir drehen inzwischen weiter. „Ihr habt nichts gesehen. Habt ihr das verstanden?“ herrscht Mišel Matičević uns, die Filmcrew, die Tänzer und die Musiker an. Drohend schaut er uns an, nur ein klägliches Ja kommt einigen über die Lippen. Misel lacht. „Wirke ich so böse? Ich tue euch nichts“. Sowieso Matisevic, er kokettiert mit seiner Rolle als Bösewicht. Noch mehr, als Ronald Zehrfeld mit dazu kommt, das Duo Infernale. In einer meiner Lieblingsserien, „Im Angesichts des Verbrechens“, stehen sie sich feindlich gegenüber. Der eine ist Polizei, der andere ist Mafiaboss in Berlin. Bei Babylon sind sie beide auf der Seite der Unterwelt. Aber dabei maximal gut gelaunt.

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Mišel Matičević alias der Armenier. So stilvoll kleiden sich Ganoven! ©x-filme Fréderic Batier

Es ist eine einmalige Erfahrung, mit all diesen großartigen Schauspielern zu drehen und zu sehen, wie sie arbeiten. Natürlich alle hochkonzentriert. Aber alle auch anders. Volker Bruch spricht vor dem Dreh seine Sätze noch einmal halblaut vor sich hin. Liv Lisa Fries diskutiert gerne nach ihren Szenen mit Tom Tykwer. Das passt gut, denn auch Tom ist ja, so Volker Bruch, extrem auf Details fixiert. Der Mathematiker unter den drei Regisseuren. Soll sie sich eine Gurke von dem Deko-Brötchen stibitzen? Oder sich halb auf den Tisch der Maskenabteilung setzen, während sie das Treiben im Studio beobachtet. Sie ist ja jetzt richtig drin im Ermittlerteam, das war das Ergebnis von Staffel 3. Aber anerkennen tun das noch nicht so alle. Der Armenier, dessen Kühlraum aus Staffel 2 sie noch in Erinnerung haben, serviert sie ähnlich kühl ab.

Der Regieassistent ruft: „jetzt nochmal die Szene mit Charlotte und Wolter“. Kurzes Stutzen. Wolter? Ist doch längst tot, am Zug auf dem Weg nach Russland gegrillt worden. War nur ein Versprecher. Gereon, nicht Wolter sollte es sein. Lachen am Set. Übrigens: hier sprechen alle von Gereon, von Charlotte, von dem Armenier – keiner am Set nennt die Schauspieler mit echtem Namen. Und auch als ich draußen einmal kurz mit Liv Lisa Fries spreche, kommt zunächst ein „Charlotte“ über meine Lippen. Sie nimmt es mit Humor. Richtig Humor haben auch das Traumpärchen Henning und Czerwinski. Henning, gespielt von Thomas Merten, treffe ich dann tatsächlich an einem der kommenden Abende in unserem Kiez wieder, Feierabendbier. Irgendwann will er einen Film machen über das Haus, in dem er wohnt. So viele Geschichte, so viele Geschichten.

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Pause. Warten. Chillen.

Wieder Pause. Und es sind neue Leute am Set. Diesmal die Presse. Ein paar ausgesuchte Journalisten dürfen das Set besichtigen. Es sind ja auch spektakuläre und sehr aufwändige Szenen, die einen guten Eindruck von der Professionalität des ganzen Teams geben. Etwas im Hintergrund hält sich ein weiteres Mitglied der Babylon Berlin-Familie. Naja, eigentlich steht Volker Kutscher ja für eine, seine eigene Familie. Er ist der Autor der Bücher um Gereon Rath, die auch die Vorlage für die ersten drei Staffeln waren. Ich hatte mit ihm ein paar Mal gesprochen, als noch nicht klar war, daß wir eine Tour zur Serie machen. Eine Tour zu den Büchern wäre natürlich auch hochspannend. So viele inhaltliche Hintergründe zur Weimarer Republik, so viele Details zu Politik, Kultur, Alltag hat Volker Kutscher zusammengetragen – in der Gereon-Rath-Saga lernt man mehr über die Zeit als in manchem Sachbuch.

Aber Details findet er auch hier genug. Die ganze Marlene Dietrich-Halle ist ja wie ein Museum der 20er Jahre. Die Halle selbst ein Original, viele Requisiten auch und den Rest hat die Requisitenabteilung täuschend echt erschaffen.

Bis ins kleinste Detail – und immer wieder erlebt man Überraschungen. Zum Beispiel bei den Zigaretten…

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